Digital-Health-Lexikon: Begriffe aus dem digitalen Gesundheitswesen

16. April 2021

von Leonie Kellers und Thassia Lobermeier

Das digitale Gesundheitswesen entwickelt sich sehr schnell. Mitunter fällt es nicht leicht, alle Entwicklungen im Blick zu behalten. Abkürzungen und Fachbegriffe aus dem digitalen Gesundheitswesen machen es besonders schwer, die Ereignisse zu verfolgen. Wir setzen uns für Innovationen im Gesundheitswesen ein, deshalb wollen wir Verständnishürden abbauen. Dieses Lexikon bietet eine Übersicht über einige wichtige, digitale und nicht-digitale Fachbegriffe aus dem Gesundheitswesen. Die überwiegende Zahl der Begrifflichkeiten bezieht sich auf die Digitalisierung im Gesundheitswesen sowie auf Institutionen, die für das digitale Gesundheitswesen relevant sind, und auf digitale Anwendungen im Gesundheitswesen.

Ambient Assisted Living

Ambient Assisted Living, kurz AAL, kann auch als Aktives Assistiertes Leben verstanden werden.  Ambient Assisted Living steht für ein umgebungsunterstütztes, gesundes und unabhängiges Leben. Es umfasst den Einsatz von Soft- und Hardware, die den Alltag von behinderten oder älteren Menschen unterstützt.

BfArM

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte, kurz BfArM, verantwortet die Überprüfung und Zulassung von Arzneimitteln und Medizinprodukten für die Bundesrepublik Deutschland. In dieser Funktion dient das BfArM auch als Regulierungsbehörde für digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs). Oberste Ziele des BfArM sind die Patientensicherheit und die Abwehr von Gesundheitsgefahren.

Big Data im Gesundheitswesen

Big Data im Gesundheitswesen umfasst unter anderem das Agreggieren und das Analysieren Daten aus unterschiedlichen Datenquellen. Dazu zählen beispielsweise im Rahmen des Telemonitoring erhobene Vitalparameter, Daten aus Patienten- oder Fallakten oder sogenannte Routinedaten – also Abrechnungsdaten der Krankenkassen. Mithilfe von Big Data können Versorgungsprozesse optimiert oder innovative, digitale medizinische Lösungen entwickelt werden.

Biomarker

Als Biomarker werden spezielle biologische oder medizinische Merkmale bezeichnet, die messbar sind und objektiv bewertet werden können. Sie können unterschiedlichster Natur sein. So gibt es anatomische, biochemische, molekulare oder auch physiologische Merkmale, die in der Medizin als biologische Marker herangezogen werden. Ein Beispiel für einen Biomarker ist der Blutzuckerspiegel im Kontext der Diabetestherapie.

Casemanagement

Das Casemanagement oder auch Fallmanagement bezeichnet ein Vorgehen im Rahmen der Pflege, der Medizin oder des Sozialwesens. Durch eine bedarfsorientierte, individuelle Betreuung sollen Menschen eine qualitativ hochwertige und langfristig ökonomische Versorgung erhalten.

DiGA

DiGA oder auch Digitale Gesundheitsanwendungen helfen als Smartphone-Applikationen oder Web-Anwendungen bei der Erkennung und Behandlung von diversen Krankheiten. Die Verschreibung und Erstattung einer DiGA in der Regelversorgung setzt eine Aufnahme DiGA-Verzeichnis des BfArM voraus. Dafür muss die digitale Anwendung einen Nutzennachweis für einen positiven Versorgungseffekt vorlegen, der im Rahmen des Fast-Tack-Verfahrens allerdings auch innerhalb eines Jahres nach erstmaliger Aufnahme nachgereicht werden kann. Eingeführt wurden DiGA im Jahr 2020 mit dem DVG.

DVG

Das Digitale-Versorgung-Gesetz, kurz DVG, ist im Dezember 2019 in Kraft getreten und soll mehr Digitalisierung im Gesundheitswesen ermöglichen. Es beinhaltet die Einführung digitaler Gesundheitsanwendungen als verschreibbare Kassenleistung, die Einführung der ePA und Regelungen für die Telemedizin.

DiPA

DiPA sind digitale Pflegeanwendung, die analog zu DiGA den Alltag pflegebedürftiger Menschen anhand digitaler Smartphone-Apps oder Web-Anwendungen verbessern sollen. DiPA sollen in der Pflege als Unterstützung dienen, etwa durch das digitale Angebot von Übungen, um den Gesundheitsstand eines Patienten zu verbessern oder zu stabilisieren. Eingeführt werden DiPA mit dem DVPMG im Sommer 2021.

Digitale Therapeutika

Digitale Therapeutika, abgekürzt als DTx, sind Therapieverfahren, die verschiedene Technologien für die Behandlung von psychischen und physischen Krankheiten nutzen. Digitale Therapeutika sollen mitunter Verhaltensänderungen und Veränderungen im Lebensstil erkennen, um für Patienten individuelle Empfehlungen abzugeben. Ein Paradebeispiel für digitale Therapeutika sind Digitale Gesundheitsanwendungen.

DVPMG

Das Digitale–Versorgung–und–Pflege–Modernisierungs–Gesetz, kurz DVPMG, soll digitale Fortschritte im Gesundheitswesen zementieren geschaffen werden. Das DVPMG hat sich unter anderem die Einführung digitaler Pflegeanwendungen sowie neue Regeln für die Telemedizin als Ziel gesetzt. Das Inkrafttreten ist für den Sommer 2021 geplant.

eGK

Die eGK ist eine elektronische Gesundheitskarte, die seit 2015 nutzbar ist und allen Versicherten zur Verfügung steht. Die eGK speichert auf ihrem Chip bestimmte Stammdaten des Versicherten wie Name, Geburtsdatum, Adresse, Versichertennummer und Versichertenstatus. Sie gilt gesetzlich Krankenversicherten zudem als Identifikationsnachweis.

eHBA

Der elektronische Heilberufsausweis, kurz eHBA, ist eine elektronische Chipkarte, die ausschließlich Angehörigen der Heilberufe zur Verfügung steht. Der eHBA identifiziert Ärzte und andere Leistungserbringer innerhalb der Telematikinfrastruktur und ermöglicht darüber den sicheren Zugang zu geschützten Diensten und Fachanwendungen.

E-Health

E-Health steht als Überbegriff für den Einsatz digitaler Technologien im Gesundheitswesen. E-Health umfasst alle Aspekte der Behandlung und Betreuung von Patienten sowie der Administration im Gesundheitswesen, die digital stattfinden.

ePA

Die elektronische Patientenakte, kurz ePA, wurde im Januar 2021 eingeführt. Sie soll allen Versicherten in Deutschland zur Verfügung stehen und dient als fall- und einrichtungsübergreifende Dokumentation im Gesundheitswesen. In der ePA können Befunde, Diagnosen, Therapien, Behandlungsberichte, Impfungen und andere Patientendaten digital aufbewahrt und eingesehen werden.

FDA

Die Food and Drug Administration, kurz FDA, ist eine US-Behörde, die sich mit der Marktregulierung im Bereichn der Lebens- und Arzneimittel beschäftigt. Ihre Aufgabe ist der Schutz der öffentlichen Gesundheit in den Vereinigten Staaten. In dieser Rolle kontrolliert die FDA die Wirksamkeit von Arzneimitteln und verantwortet die Zulassung von Medizinprodukten im wichtigen US-amerikanischen Markt.

FemTech

Der FemTech-Sektor beschäftigt sich mit Technologien für spezifische gesundheitliche Bedürfnisse von Frauen. Dazu werden beispielsweise Apps entwickelt, die Frauen mit Menstruationsbeschwerden oder unerfülltem Kinderwunsch unterstützen sollen.

FHIR

Fast Healthcare Interoperability Resources, kurz FHIR, unterstützt den Datentransfer und damit die Interoperabilität zwischen Softwaresystemen im Gesundheitswesen. Der Datenstandard FHIR wird von dem Verein HL7 entwickelt und fungiert als Schnittstelle, um Daten und Dateien auszutauschen.

GDT

Das Datenformat GDT steht für Gerätedatentransfer und dient, einschließlich entsprechender Schnittstellen, zur Datenübertragung zwischen medizinischen Messgeräten und externen Softwarelösungen. Die Datenübertragung erfolgt beispielsweise über Dateien und serielle Schnittstellen. Wie andere Datenstandard unterstützt GDT die Interoperabilität im Gesundheitswesen.

gematik

Die gematik, gegründet im Jahr 2005, ist eine staatliche Gesellschaft, die die Digitalisierung im Gesundheitswesen vorantreiben soll. Die gematik ist die Betreibergesellschaft der TI und verantwortet in dieser Rolle auch die Einführung der elektronischen Gesundheitskarte (eGK). Mehrheitsgesellschafter der gematik ist mit 51 Prozent der Anteile das Bundesgesundheitsministerium. Weitere Anteile werden von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen sowie von Spitzenverbänden der Leistungserbringer gehalten.

Innovationsfonds

Der Innovationsfonds wurde von der Bundesregierung ins Leben gerufen, um innovative Versorgungsprojekte im Bereich der gesetzlichen Krankenversicherungen zu unterstützen. Seit 2015 subventioniert der Innovationsfonds sektorenübergreifende Versorgungsformen, Projekte der Versorgungsforschung und andere wissenschaftliche Vorhaben. Ziel der Projekte ist die Erprobung innovativer Konzepte für eine mögliche Überführung in die gesetzliche Regelversorgung.

Interoperabilität

Interoperabilität bezeichnet das reibungslose Zusammenspiel verschiedener Techniken oder Systeme im Gesundheitswesen, etwa bei der Übertragung von Daten zwischen verschiedenen Softwarelösungen. Für die Funktionsfähigkeit interoperabler Systeme sind offene Schnittstellen und Nomenklaturen wie SNOMED von elementarer Bedeutung. Wichtige Anwendungsbereiche für interoperable Systeme sind Medizingeräte, Wearables oder Softwarelösungen im Gesundheitswesen. Eine zentrale Infrastruktur, die Interoperabilität im Gesundheitswesen fördern soll, ist die TI.

KHZG

Mit dem 2020 in Kraft getretenen Krankenhauszukunftsgesetz (KHZG) wird die digitale Infrastruktur in deutschen Kliniken modernisiert. Ein zentraler Bestandteil des KHZG ist ein milliardenschwerer Investitionsfonds, der Digitalisierungsstrategien deutscher Krankenhäuser fördern und beschleunigen soll.

KI in der Medizin

Unter KI in der Medizin versteht man den Einsatz künstlicher Intelligenz im Gesundheitswesen. Mithilfe intelligenter Algorithmen, etwa unter Inanspruchnahme von Big Data, sollen insbesondere Diagnosen, aber auch die Entwicklung von Arzneimitteln, schneller ablaufen. Ein Beispiel für den Einsatz von KI im Gesundheitswesen sind selbstlernende Algorithmen, die beispielsweise präzise Diagnosen für Krebspatienten ermöglichen.

mHealth

mHealth bezieht sich, im Unterschied zu E-Health, ausschließlich auf den Einsatz von Gesundheitsanwendungen auf mobilen Endgeräten wie Smartphones. mHealth umfasst sowohl das Erfassen gesundheitsbasierter Informationen als auch den Zugang zu gesundheitsbasierten Informationen oder die Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen über mobile Endgeräte.

Personalisierte Medizin

Unter personalisierter Medizin kann die individuelle Diagnose und Behandlung von Patienten auf Basis individueller Vorerkrankungen, Medikationspläne, Vitalparameter oder Datenanalysen verstanden werden. Durch die Personalisierung der Medizin können Behandlungskonzepte entwickelt werden, die Patienten schneller und effizienter zu einer für sie geeigneten Therapie verhelfen.

PROM

PROM ist die Abkürzung für Patient Reported Outcome Measure. PROM sind Daten, die dann generiert werden, wenn Patienten diese selbst erheben, etwa durch Fragebögen, die verschiedene Parameter wie beispielsweise Schmerzen oder Lebensqualität abfragen. Weil PROM die Ergebnisse von Therapien beurteilen können, werden diese als alternative Datengrundlage für die Vergütung von Gesundheitsleistungen diskutiert. Bisher werden PROM im deutschen Gesundheitswesen nur vereinzelt erhoben.

Routinedaten

Routinedaten im Gesundheitswesen sind gleichzusetzen mit Abrechnungsdaten der Krankenkassen. Routinedaten liefern Einblicke in die Inanspruchnahme verschiedener medizinischer Leistungen und sind das Ergebnis der Abrechnung mit Ärzten, Kliniken und Apotheken. Routinedaten spielen eine wesentliche Rolle für datenbasierte Forschungsprojekte im Gesundheitswesen.

Selektivverträge

Selektivverträge sind eine eigenständige Vertragsform innerhalb des deutschen Gesundheitswesens. Sie werden direkt zwischen einzelnen Leistungserbringern, beispielsweise Ärzten oder Kliniken, und einzelnen Krankenkassen geschlossen. Selektivverträge ermöglichen besondere Leistungen, die nur von Versicherten der jeweiligen Krankenkassen und bei teilnehmenden Leistungserbringern in Anspruch genommen werden können.

Smart Hospital

Smart Hospital beschreibt ein modernes, digital vernetztes Krankenhaus, das verschiedene intelligente Lösungen miteinander vernetzt und einsetzt. Smart Hospital kann als zukunftsorientierte Strategie im Rahmen des Klinikmanagements betrachtet werden.

SNOMED

SNOMED steht für Systematisierte Nomenklatur der Medizin. Die Abkürzung SNOMED bezeichnet ein universelles Verzeichnis zur Indexierung medizinischer Sachverhalte. Somit kann SNOMED als Sprache der Medizininformatik bezeichnet werden. SNOMED vergibt eindeutige Bezeichnungen für Diagnosen, Befunde, Symptome oder Vitalparameter und bietet damit eine Grundlage für sektorenübergreifende Datenanalysen, etwa im Rahmen von Big Data im Gesundheitswesen.

Telemedizin

Telemedizin beschreibt als Überbegriff den Einsatz von Hard- und Software zur Überwindung räumlicher Distanz im Gesundheitswesen. Sowohl die Videosprechstunde als auch das Telemonitoring und die Teleradiologie sind Teil der Telemedizin.

Telemonitoring

Telemonitoring dient der Untersuchung, Diagnose und Überwachung von Patienten aus der Ferne. Im Mittelpunkt des Telemonitoring steht die drahtlose Datenübermittlung medizinischer Messwerte, beispielsweise an eine Arztpraxis oder an eine Klinik. Das Telemonitoring findet insbesondere dann Anwendung, wenn eine engmaschige Überwachung langfristig nötig ist oder die Mobilität eines Patienten eingeschränkt ist.

Teleradiologie

Unter Teleradiologie versteht man in der Medizin jeden Vorgang einer bildgebenden Untersuchung, beispielweise im Rahmen einer Computertomografie, bei dem kein verantwortungstragender, fachkundiger Arzt vor Ort ist. Das radiologische Bildmaterial wird über eine Telekommunikationseinrichtung übertragen.

TI

Die Telematikinfrastruktur, kurz TI, vernetzt Akteure im Gesundheitswesen in einem geschützten Netz. Somit trägt die TI zu einer schnellen sowie sicheren Kommunikation im Gesundheitswesen bei. Nur Nutzer, die über einen elektronischen Praxisausweis oder Heilberufsausweis verfügen, erhalten Zugang zu dem geschlossenen Netz. Betreiber der TI ist die gematik.

Videosprechstunde

Die Videosprechstunde, auch Online-Sprechstunde, bezeichnet die Fernberatung und Fernbehandlung von Patienten im Rahmen der Telemedizin. Die Videosprechstunde Es ist eine digitale, sichere und datenschutzkonforme Verbindung zwischen Arzt und Patient. Wie andere digitale Gesundheitstechnologien unterliegt die Videosprechstunde strenger Regulierung. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) führt eine Liste aller Videosprechstunden-Anbieter, die für die Regelversorgung zugelassen sind.

Vitalparameter

Vitalparameter oder auch Vitaldaten sind Messwerte wichtiger Körperfunktionen. Die vier fundamentalen Vitalparameter sind die Herzfrequenz, die Atemfrequenz, der Blutdruck und die Körpertemperatur. Als weiterer Vitalparameter wird im intensivmedizinischen Umfeld häufig die Sauerstoffsättigung erfasst. Vitalparameter zeigen Veränderungen des physischen und psychischen Befindens von Menschen an und lassen daher Rückschlüsse auf den Gesundheitszustand einer Person auf bestimmte Symptome zu. Die Fernübertragung von Vitalparametern ist Gegenstand des Telemonitoring.

VR im Gesundheitswesen

VR steht für Virtual Reality und bedeutet übersetzt so viel wie virtuelle Realität. Im Gesundheitswesen werden VR-Anwendungen beispielsweise eingesetzt, um Operationen zu simulieren oder um Patienten mit Ängsten zu konfrontieren. VR im Gesundheitswesen dient sowohl Therapiezwecken als auch Schulungszwecken.

Wearables

Wearables bezeichnet Hardware, die am Körper getragen werden kann. Wearables kommen etwa zum Einsatz, um Körperfunktionen zu überwachen. Beispielsweise messen einige Wearables den Puls, den Blutzuckerspiegel oder andere Vitalparameter. Sie finden Einsatz in den Bereichen Fitness, Lifestyle, Gesundheit und AAL. Fitnessarmbänder sind ein Beispiel für Wearables.

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